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Einen Blick in die8. Auflage 2020 erhalten sie hier:  

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Madeira macht dem Beinamen „Blumeninsel“ alle Ehre. Auf kleinstem Raum wachsen hier Pflanzen aus allen Regionen dieser Erde. Wohin der Reisende auch kommt, er ist von zahlreichen bekannten und unbekannten Gewächsen umgeben. Der botanische Reiseführer „Madeira - Was hier alles wächst“ enthält sechs Kapitel mit Pflanzenbeschreibungen, geordnet nach typischen Gruppen: Pflanzen in Gärten und Parks, Vegetation der Küstengebiete, Flora im Kulturland und entlang der Levadas, Vegetationsgemeinschaft Lorbeerwald, Flora des Gebirges und typische Nutzpflanzen. Insgesamt werden 166 Pflanzen detailliert beschrieben und auf Farbfotos gezeigt. Zu jeder Pflanze wird allerhand Wissenswertes, das direkt oder indirekt mit ihr zu tun hat, erwähnt.  Außerdem werden Standorte genannt, wo die Pflanze auf Madeira sicher anzutreffen ist. Ein letztes Kapitel widmet sich den schönsten Gärten und Parks der Insel. Angaben zur Geschichte des jeweiligen Gartens und eine ausführliche Beschreibung werden durch Informationen zu Öffnungszeiten, Eintrittspreis sowie An- und Abfahrt mit Linienbus oder Leihwagen ergänzt. (207 Seiten, 11,5 x 19 cm, broschiert, stabile Fadenheftung)


Einleitung:

 

Madeira macht dem Beinamen „Blumeninsel“ alle Ehre. Auf kleinstem Raum wachsen hier Pflanzen aus allen Regionen dieser Erde. Wohin der Reisende auch kommt, er ist von zahlreichen bekannten und unbekannten Gewächsen umgeben. Der botanische Reiseführer „Madeira - Was hier aller wächst“ wendet sich an alle Besucher der Insel, die sich für Pflanzen interessieren. Das Format des Buches wurde bewusst so gewählt, dass es unterwegs nicht stört, sondern mitgenommen werden kann.

Am Ankunftstag findet die erste Begegnung mit der üppigen Pflanzenwelt meist im hoteleigenen Garten statt. In den darauf folgenden Tagen bietet sich der Besuch eines oder mehrerer der zahlreichen sehenswerten Parks an. Überall dort gedeihen die farbenprächtigsten Gewächse. Die meisten stammen aus den Tropen.

Dazu im Kontrast steht die Küstenvegetation. Zwar ist sie unscheinbarer, doch deswegen nicht weniger interessant. Vielfach blieb außerhalb der Ortschaften die einheimische Flora erhalten. Darunter mischen sich eingebürgerte Arten aus fernen Ländern.

Entlang der berühmten Bewässerungskanäle (Levadas) und am Rand der winzigen Terrassenfelder findet der Wanderer oder Spaziergänger ein Sammelsurium unterschiedlichster Pflanzen. Vertrautes aus mitteleuropäischen Gärten wächst hier neben tropischen und subtropischen Exoten.

Im Gegensatz dazu ist der Lorbeerwald in der Wolkenzone ein fast unberührt gebliebener Dschungel. Außer den verschiedenen, namengebenden Lorbeerbäumen wachsen hier zahlreiche weitere Bäume, Sträucher und Kräuter, die sich an das feuchte Milieu angepasst haben. Farne, Moose und Flechten verleihen diesem Biotop ein urtümliches Aussehen. Auch der Lorbeerwald ist für Wanderer erschlossen.

Rau wird die Landschaft im Inselinneren. Dort begegnet der Besucher Heidewäldern und Mooren. Schroffe Felsen an den höchsten Gipfeln werden ebenso wie felsige Standorte in tieferen Lagen von einer kargen alpinen Flora besiedelt. Schließlich sollen auch die Nutzpflanzen nicht vergessen werden. Die verschiedensten tropischen Obstsorten werden auf Madeira angebaut und auf Märkten verkauft. Bananen und Zuckerrohr spielen eine große Rolle. Und scheinbar Vertrautes zeigt sich hier in anderen Formen.

Aufgrund der enormen Pflanzenvielfalt musste in diesem Buch eine Auswahl getroffen werden. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Allerdings sind die meisten Pflanzen aufgeführt, die der Besucher während seines Aufenthalts zu Gesicht bekommt.  

 

In den Gärten

 

Den Ruf der Blumeninsel verdankt Madeira der tropischen und subtropischen Flora, die in Gärten und Parks gedeiht oder Alleen und Promenaden ziert. Die wegen ihrer üppigen Blütenpracht oder auffälligen Form kultivierten Gewächse wurden aus aller Welt importiert. Eher selten fand die weniger spektakuläre einheimische Flora Eingang in die Gärten. Im 16. Jh. brachten zunächst die portugiesischen Entdeckungsfahrer bis dahin unbekannte Pflanzen aus Afrika, Asien und Südamerika mit nach Madeira. Hier sollten die empfindlichen tropischen Arten allmählich an ein kühleres Klima gewöhnt werden, um sie später in Portugal im Freien kultivieren zu können - z. B. in den königlichen Gärten von Lissabon und Sintra. Diese Hoffnung erfüllte sich zwar nicht immer, denn schon Temperaturen von einigen Grad über dem Gefrierpunkt vertragen viele tropische Pflanzen nicht mehr. Doch auf diese Weise wurde die Flora Madeiras bereichert. Im 18. und 19. Jh. prägten vor allem britische Weinhändler Madeira wirtschaftlich und kulturell. Sie importierten ebenfalls zahlreiche exotische Gewächse.  Die Briten errichteten sich gerne Villen in luftigen Höhen zwischen 500 und 700 m Höhe, wo es nicht so schwül wie an der Küste ist. In den oft parkartigen Gärten überboten sie sich gegenseitig darin, botanische Raritäten aus allen Kontinenten zu sammeln. Durch sie gelangten vor allem subtropische Pflanzenarten aus Südafrika, Australien, Neuseeland und Japan nach Madeira. Aus den gemäßigten Klimabereichen Nord-amerikas stammen viele Bäume und Sträucher, die in den höher gelegenen Gärten der Insel gedeihen.

Heute wird die Tradition der Gartenpflege sowohl von der öffentlichen Hand als auch von privaten Gartenbesitzern weitergeführt. Jeder Straßen- oder Wegrand, jede Verkehrsinsel wird sorgfältig mit Oleander, Baum-Aloe, Agapanthus oder Hortensien bepflanzt. Die Pflanzen blühen alle zu unterschiedlichen Jahreszeiten, so dass der Besucher stets den Eindruck gewinnt, sich in einem „schwimmenden Garten inmitten des Atlantiks“ zu befinden. Jeder noch so kleine Garten wird von den Besitzern liebevoll gepflegt. Für die schönste Bepflanzung winken in jedem Ort Preise und Ehrungen. In diesen Hausgärten finden sich viele kleinere, heute auch in Mitteleuropa vertraute Zierpflanzen (z. B. Fuchsien, Freesien, Geranien und Petunien), die hier ganzjährig prächtig gedeihen. In den großen, fürs Publikum geöffneten Parks ist ein Heer von Gärtnern ständig mit der Pflege und Neubepflanzung beschäftigt. Vor allem in diesen Anlagen trifft der Botanikfreund auf Bäume, Sträucher und Blütenpflanzen aus tropischen  und subtropischen Ländern mit ihrer exotischen Pracht.


Die Küstenvegetation

 

Das Klima in der südlichen Küstenregion Madeiras ähnelt dem des Mittelmeergebiets. Die Sommer sind relativ heiß und trocken. Niederschläge fallen fast nur zwischen Oktober und Mai. Diese Monate weisen ein mildes Frühlingsklima auf. So scheint im Süden der Insel in Höhen bis ca. 300 m ein lockerer, der mediterranen Macchie ähnlicher Buschwald gestanden zu haben, bevor die Portugiesen Madeira im 15. Jh. besiedelten. Er bestand aus Drachenbäumen, Kanaren-Wacholder und Madeira-Ölbaum. An steileren Hängen, wo Bäume schlecht Fuß fassen können, gediehen Büsche wie die Fischfang-Wolfsmilch oder der Prächtige Natternkopf. Im Frühjahr verwandelten zahlreiche endemische Kräuter und Stauden die südliche, sonnenverwöhnte Küstenregion in ein Blütenmeer. Viele dieser Pflanzen sind sukkulent, d. h. sie speichern Wasser in Blättern oder Stängeln. Andere treiben nur in den feuchteren Wintermonaten aus und ziehen ihre oberirdischen Organe in der trockenen Jahreszeit ein. Im Norden der Insel, der sehr viel regenreicher und kühler ist, konnte eine vergleichbare Flora nur in unmittelbarer Küstennähe gedeihen. Durch den Menschen wurde die natürliche Küstenvegetation an vielen Stellen durch Siedlungen und  zunächst Zuckerrohrfelder, später durch Bananenplantagen  ersetzt. In Ziergärten wurden tropische Bäume und Sträucher gepflanzt. Diese können ebenso wie Zuckerrohr und Bananen unter den relativ trockenen Bedingungen nur mit Hilfe von Bewässerung überleben. Das dafür benötigte Wasser wird durch Levadas (s. S. 87) aus feuchteren Teilen der Insel herbeigeführt. Der natürliche Buschwald hat nur an wenigen Stellen einigermaßen unverändert überlebt. Dies ist vor allem an schwer zugänglichen Stellen der Fall (z. B. Abhänge des Tals von Ribeira Brava, Küstenabhänge zwischen Funchal und Garajau). Sträuchern und kleineren Pflanzen der Küstenvegetation begegnet man hingegen an vielen Stellen auf Brachland oder an Wegrändern. Sie wachsen dort oft gemeinsam mit vom Menschen eingeschleppten und dann verwilderten Arten. Die gesamt Ostspitze Madeiras, die Halbinsel São Lourenço, steht heute unter Naturschutz. Hier wird versucht die Küstenvegetation durch Zutrittsverbote und Neuanpflanzungen zu regenerieren. Ein beliebter Wanderweg führt durch dieses Gebiet. Ebenfalls unter Schutz stehen die nur mit einer Seilbahn oder über steile Fußwege zugänglichen Küstenlandschaften Ribeira do Tristão (unterhalb Achadas da Cruz) und Rocha do Navio (bei Santana). Der Besuch der Ponta São Lourenço lohnt insbesondere im März/April. In den beiden anderen, an der Nordseite der Insel gelegenen Naturschutzgebieten ist Hauptblütezeit der Mai.


Entlang der Levadas

Die mittleren Höhenlagen zwischen ca. 300 und 800 m werden im Süden der Insel besonders intensiv durch den Menschen genutzt. Das Gleiche ist im Norden - allerdings in weitaus geringerem Ausmaß - in Höhen zwischen 100 und 600 m der Fall. Diese Zone liegt noch unterhalb des Wolkengürtels, der sich weiter oben häufig als dichter Nebel über die Berge legt. Andererseits sind die Niederschläge ausreichend, um ohne Bewässerung Wein, Getreide, Kartoffeln und Gemüse gedeihen zu lassen. So haben schon die ersten Siedler dieses Gebiet terrassiert und kultiviert. Dieser Prozess setzte sich bis in die jüngste Vergangenheit fort. Der früher heimische Wald aus Gagelbäumen und Besenheide wurde dabei auf den Bergrücken und Hängen weitgehend vernichtet. Bis heute werden diese Höhenlagen intensiv landwirtschaftlich genutzt, wenn auch in letzter Zeit immer mehr schwer zugängliche oder allzu kleine Terrassenfelder brach liegen. Bewässerungskanäle (Levadas), die ihren Ursprung an der regenreichen Nordseite Madeiras haben, durchqueren diese Zone oft ohne nennenswertes Gefälle über viele Kilometer hinweg, bevor ihr Wasser zu den Plantagen der Küstenregion geleitet wird.

An den Levadas schlängeln sich Wirtschaftswege entlang, die vielerorts zu beliebten Wanderstrecken wurden. Der Urlauber lernt die Vegetation der mittleren Höhenlagen also meist auf Levadawanderungen kennen. Nur wenige der hier - neben den Kulturpflanzen (s. S. 9) - wild wachsenden Arten sind ursprünglich auf Madeira heimisch und standen wohl früher im kargen Unterwuchs des relativ trockenen Heidewaldes. Ackerterrassen, Feldwege und Levadas werden heute großenteils von zufällig mit Saatgut eingeschleppten „Unkräutern“ oder von verwilderten Gartenpflanzen gesäumt. Daraus ergibt sich ein buntes Sammelsurium von durchaus interessanten Arten.

Häufig von Wanderern begangene Levadawege werden von der zuständigen Wasserbehörde systematisch mit Zierblumen wie Agapanthus oder Hortensien bepflanzt. Sie dienen auch als Wegbefestigung. In höheren Lagen, wo wegen der Nebelhäufigkeit kein Ackerbau mehr möglich ist, stehen oft „exotische“ Bäume wie Eukalyptus, Kiefern oder Akazien an den Levadas. Sie bilden im Süden ausgedehnte Wälder bis in die Gebirgsregion hinein. Ein ganz besonderes Bild bietet sich in den engen, feuchten Schluchten. Sie blieben von der Urbarmachung durch den Menschen verschont, da durch sie nach winterlichen Regenfällen oft reißende Wassermassen stürzen. Sie sind häufig Refugien eines natürlichen Vegetationstyps, bei dem es sich um eine wärmeliebende Variante des Lorbeerwaldes handelt (s. S. 117).



Im Lorbeerwald
 

Beim Lorbeerwald handelt es sich um die für Madeira typische Vegetationsform schlechthin. Laurissilva, wie die Portugiesen ihn nennen, bedeckte früher einen Großteil der Insel. Auf trockeneren Berghängen oberhalb von 300 m Höhe im Süden bestand er vorwiegend aus Besenheide, Gagelbaum und Kanarischem Lorbeer. Diese Bestände fielen schon im 15. und 16. Jh. großenteils Rodungen zum Opfer (s. S. 87). Im Norden Madeiras hingegen ist der Lorbeerwald noch sehr weit verbreitet. Er nimmt dort ein Areal von 10000 ha ein, was etwa einem Achtel der Inseloberfläche entspricht. Der Inselnorden ist viel regenreicher als der Süden, und dank der vorherrschenden Nordwinde bildet sich in Lagen oberhalb von ca. 500 m am Mittag fast täglich Wolkennebel, der sich erst gegen Abend wieder auflöst.

In dieser Nebelzone ist der Lorbeerwald besonders üppig und artenreich ausgeprägt. Hier dominiert Azoren-Lorbeer, weitere Vertreter der Lorbeergewächse sind Stinklorbeer und Madeira--Ma--hagoni. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Bäume und Sträucher, Kräuter und Farne. Die meisten Arten des Lorbeerwaldes vertragen keinen Frost. Daher liegt die obere Grenze seiner Verbreitung bei etwa 1300 m. In der Gipfelregion kommt es nämlich im Winter häufig zu Nachtfrösten und Schneefall (s. S. 155). Nach unten kann im Inselnorden eine mehr Trockenheit vertragende Variante des Lorbeerwaldes bis fast an die Küste hinunter gedeihen. Doch unterhalb der Wolkenzone wurden  Felder und Siedlungen angelegt, dadurch blieb der Wald nur in engen Schluchten erhalten. Vor einigen Millionen Jahren gab es ähnliche Wälder auch in Mitteleuropa. Sie verschwanden allmählich, als das Klima durch die Auffaltung der Alpen und die Eiszeiten zunehmend rauer wurde. Heute gibt es Lorbeerwald außer auf Madeira nur noch auf einigen Kanareninseln sowie in geringem Ausmaß auf den Azoren.

Auf Madeira errichteten die Behörden 1982 einen Naturpark und stellten die noch vorhanden Bestände unter Schutz. 1999 erklärte die UNESCO den Lorbeerwald zum Weltkulturerbe. Die bis in jüngste Zeit übliche Nutzung (Einschlag von Bau- und Möbelholz, Gewinnung von Brennholz und Viehfutter, Waldweide durch Ziegen) sind jetzt verboten. Auch die Jagd auf die Silberhalstaube, die sich von den Früchten der Lorbeerbäume ernährt und damit zu deren Verbreitung beiträgt, ist inzwischen untersagt. So kann sich der Wald auch an Stellen in Siedlungsnähe erholen, wo er zuvor stark zerstört war. Einen guten Überblick über die Flora des Lorbeerwaldes gibt der Forstpark von Ribeiro Frio (s. S. 195). Wanderungen durch gut erhaltene Lorbeerwälder lassen sich z. B. bei Ribeiro Frio, Queimadas und Rabaçal unternehmen. 


Auf Felsen und im Gebirge
 

Auf der Hochebene Paúl da Serra und an den Hängen der höchsten Gipfel dehnte sich früher in Höhen über 1300 m ein Heidewald aus. In abflusslosen Senken ging er in ein Hochmoor über. Dieser Vegetationstyp ähnelte der Flora der norddeutschen Moor- und Heidegebiete. Ansätze von Hochmoorbildung mit Torfmoos lassen sich bis heute auf Paúl da Serra beobachten. Im angrenzenden Wald waren neben Baum- und Besenheide noch Gagelbaum, Zedernwacholder und Madeira-Heidelbeere vertreten. Die Bäume fielen in der Vergangenheit der Holzkohlegewinnung durch Köhler oder dem Brennholzeinschlag zum Opfer. Nach der Abholzung wurden die Flächen als Weideland für Schafe und Ziegen genutzt. Die verbliebenen Heidewälder, z. B. an der Bica da Cana und am Pico Ruivo, stehen heute unter Schutz. Andere Flächen sollen regeneriert werden. In der eigentlichen Gipfelregion herrschen extreme Klimaverhältnisse. Nachts gibt es im Winterhalbjahr fast täglich Frost. Tagsüber kann es bei Sonnenschein sehr heiß werden. Temperaturunterschiede von 20 Grad Celsius zwischen Tag und Nacht sind keine Seltenheit. Zudem sind die meisten Standorte felsig. Die Bodenkrume ist, falls vorhanden, sehr dünn. Nur wenige Pflanzen sind diesen Bedingungen gewachsen. Oft handelt es sich um Arten, deren Verwandte in den europäischen Gebirgen (Pyrenäen,  Alpen usw.) leben. Sie wappnen sich durch spezielle Anpassung. Viele haben Rosetten- oder Polsterwuchs, wodurch sie ihre Oberfläche relativ klein halten. So sind sie gegen zu starke Verdunstung und gegen Erfrierung gleichermaßen geschützt. Steile Felswände trocknen besonders schnell aus. Pflanzen, die diese besiedeln, haben oft sukkulente Blätter, in denen sie Wasser für sonnige Wetterlagen speichern.

Felsstandorte weisen auch unterhalb der Gipfelzone eine ganz eigenständige Flora auf. An solchen Stellen wachsen viele Arten, die denen der felsigen Gipfelzone entsprechen oder mit ihnen verwandt sind. Manche hochspezialisierte Arten, wie z. B. das Drüsen-Äonium, gedeihen an Felswänden von den höchsten Gipfeln bis an die Küste hinab.

Ziegen sind so gute Kletterer, dass sie selbst steile Felswände noch abweiden. Bis vor wenigen Jahren wurden Tausende von ihnen in den Bergen Madeiras halbwild gehalten. Sie setzten der empfindlichen Gebirgsflora durch Verbiss arg zu. Vor einigen Jahren wurde die Weidewirtschaft auf eingezäunte Flächen begrenzt. In anderen Bereichen darf sich die Vegetation erholen. Durch ein solches Gebiet führt der berühmte Panoramaweg vom Pico do Arieiro zum höchsten Gipfel, dem Pico Ruivo. Auch am Pico Grande können Wanderer die Gebirgsflora kennenlernen.



Nutzpflanzen

 

Was für Ziergewächse gilt (s. S. 9), trifft auch auf die Nutzpflanzen zu: Aus aller Welt wurden sie nach Madeira importiert, oft schon in der Zeit der großen Entdeckungsfahrten. Die Insel diente dabei auch immer wieder als Sprungbrett zwischen der Alten und der Neuen Welt. So wurde das ursprünglich aus Asien stammende Zuckerrohr zunächst auf Madeira erfolgreich kultiviert. Über die Kanarischen Inseln gelangte es mit Christoph Kolumbus persönlich nach Amerika, wo sich heute die wichtigsten Anbaugebiete befinden. Aber auch eine so alltäglich anmutende Kulturpflanze wie der Weizen wurde über Madeira auf die Kapverdischen Inseln und von dort nach Brasilien getragen. Umgekehrt kamen später aus Amerika z. B. Cherimoya, Passionsfrucht, Guave und Surinamkirsche. Diese und andere empfindliche tropische Obstsorten konnte man auf Madeira heimisch machen. Auf dem europäischen Kontinent hingegen gelang dies meist nicht.

Besondere wirtschaftliche Bedeutung hatten auf Madeira immer die „culturas ricas“ (reiche Kulturen), womit Zuckerrohr, Wein und Bananen gemeint sind. Zuckerrohr spielt heute für den Export keine Rolle mehr. Wein und Bananen hingegen sind weiterhin die wichtigsten Ausfuhrprodukte und beanspruchen die besten Anbauflächen. Die weniger guten Böden wurden stets mit Kulturen bestellt, die der Ernährung der Bevölkerung dienten: Weizen, Mais, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Taro und vielerlei Gemüsesorten. Dieser Anbau muss angesichts der schwierigen Geländeverhältnisse in Handarbeit erfolgen. Er ist heute stark rückläufig, da vieles billiger importiert als auf der Insel produziert werden kann. Für den Eigenbedarf bauen viele Landwirte auf ihren kleinen Terrassenfeldern traditionell noch Pflanzen an, die in Mitteleuropa zwar bekannt sind, aber kaum oder gar nicht (mehr) gegessen werden, z. B. den Portugiesischen Kohl oder die Lupine.

Tropische Obstsorten hingegen spielen bei der Ernährung der Madeirenser eine geringere Rolle als allgemein angenommen wird. Sie waren immer teuer und kamen vorwiegend bei sehr wohlhabenden Familien auf den Tisch. Klöster, Großgrundbesitzer und britische Weinhändler kultivierten die exotischen Obstbäume in den Gärten ihrer Landgüter. Mit Beginn des Tourismus auf Madeira, also seit Ende des 19. Jhs. , erfolgte eine Ausdehnung des Anbaus auf Hausgärten und kleine Plantagen, um die Hotels zu beliefern. Bis heute werden die tropischen Früchte großenteils in Privatgärten im Nebenerwerb produziert. Exportiert wird  nicht. Abnehmer für Papayas, Avocados, Mangos, Japanische Mispeln, Baumtomaten und vieles mehr sind spezialisierte Markthändler, Hotels und Restaurants.


Madeiras Gärten
 

Nirgendwo auf der Welt dürfte es auf engstem Raum so viele interessante Parkanlagen geben, die für das Publikum geöffnet sind, wie auf Madeira. Die meisten befinden sich in und um Funchal. Stets spielte sich ein Großteil der Politik und des Wirtschaftslebens der Insel in der Hauptstadt ab. Wie ein Magnet zog Funchal Großgrundbesitzer, flämische und italienische Zuckerhändler und später britische Weinhändler an, die in der Stadt residierten. Später taten es ihnen die Touristen nach.

Bis heute wohnen rund drei Viertel aller Urlauber in den Hotels der Hauptstadt. Zudem bietet Funchal mit seinem besonders milden Klima den empfindlichen tropischen Pflanzenarten, für die Madeira berühmt ist, beste Wachstumsbedingungen. So hat sich eine Gartenkultur vor allem in Funchal herausgebildet. Zunächst wurden Kostergärten und die Innenhöfe von Adelspalästen mit exotischen Pflanzen verziert. Im 18. und 19. Jh. waren es vor allem die auf Madeira ansässigen britischen Weinhändler, die am Stadtrand und in höhergelegenen Orten wie Monte oder Camacha ihre berühmten Quintas (Landvillen) errichteten und mit grandiosen Parks umgaben. Ab dem ausgehenden 19. Jh. gesellten sich prächtige Hotelgärten hinzu. Im 20. Jh. erfolgte dann so etwas wie eine Demokratisierung der Gartenkultur. Viele Parks werden heute von der öffentlichen Hand betrieben und ständig verschönert (Jardim Botânico, Quinta das Cruzes, Quinta Magnólia, Stadtparks von Funchal. Quinta do Santo da Serra u. a.). In kleineren Orten entstanden städtische Gartenanlagen, die oft sehr phantasievoll gestaltet sind und auf jeden Fall einen Besuch lohnen (z. B. Machico, Camacha, Santana). Aus dem weitläufigen Park eines ehrwürdigen Hotels wurde unter der Regie eines einheimischen Geschäftsmanns mit dem Jardim Tropical Monte Palace einer der großartigsten Gärten Madeiras. Die öffentliche Hand befasst sich derzeit mit der Wiederherstellung der Quinta Jardins do Imperador in Monte, wo der letzte österreichische Kaiser einst im Exil lebte. Andere Anlagen, wie die Palheiro Gardens oder die Quinta Palmeira, befinden sich nach wie vor im Besitz britischer Familien, dürfen jedoch besucht werden. Ebenfalls zu besichtigen ist der private Orchideengarten Quinta da Boa Vista mit seinen Schauhäusern, der außerdem Topfblumen und Pflanzensamen für den Verkauf anbietet.

Nicht zuletzt bemüht sich die Forstverwaltung um die Anlage kleinerer und größerer Parks in den Bergen und Wäldern. Neben dem Parque Florestal do Ribeiro Frio gibt es bei vielen weiteren der rund 25 Forsthäuser kleinere Gärten mit seltenen einheimischen sowie exotischen Pflanzen.


 

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